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29 Jahre ES-Konzepte –Erfahrungen zweier Abfallberater

von Dieter Eickhoff Admin

Interview vom 02.12.2025 mit Dr. Dieter Eickhoff und Reinhard Schmelzer. Die Fragen stellten Christina Schmitt und Valeska Klauder. Text: Christina Schmitt

Am 01.01.1997 haben Dr. Dieter Eickhoff und Reinhard Schmelzer die Firma ES-Konzepte in Pforzheim gegründet. Nun ist nach 29 Jahren engagierter, bürgernaher und gewissenhafter Arbeit zum Jahreswechsel eine kleine Ära der Abfallberatung und Öffentlichkeitsarbeit in der Region zu Ende gegangen. Auch auf ihrem Weg in den wohlverdienten Ruhestand haben die beiden vorausschauend gearbeitet und in den letzten Jahren ihr umfangreiches Wissen an die Firma UDATA GmbH weitergegeben. Wir haben die Chance genutzt und die beiden Firmengründer gefragt, was sie bei ihre Arbeit Spannendes erlebt haben.

Christina Schmitt: „29 Jahre in der Abfallberatung ist eine lange Zeit, wo sicher einiges passiert ist. Wie sah die Abfallentsorgung zu Beginn eurer Arbeit aus?“

Reinhard Schmelzer: „Das war wild. Wir haben vor 1997 noch ein paar Jahre im Landratsamt gearbeitet. Damals gab es im Enzkreis nur eine Restmülltonne und eine grüne Tonne. Die grüne Tonne wurde im Wechsel mit Altpapier oder Altglas befüllt und geleert. Eine kleine logistische Meisterleistung für die Haushalte.“

Dieter Eickhoff: „Stimmt. Eines unserer ersten Projekte, die wir begleitet haben, war dann die Einführung der braunen Biotonne. Erst in zwei Versuchsgemeinden und dann im gesamten Enzkreis. Gleichzeitig wurden auch die beiden Tonnen „Flach“ und „Rund“ eingeführt.“

Valeska Klauder: „Flach und rund? Wie sieht denn eine flache Mülltonne aus?“

Eickhoff (lacht): „Die Tonne hatte schon eine normale Form, aber hierüber wurde flaches Altpapier und Kartonagen entsorgt. In der runden Tonne wurde nun zusätzlich zum Altglas auch Verpackungsmaterial gesammelt.“

Klauder: „Und nun gibt es doch eine gelbe Tonne…“

Schmelzer: „Ja, die wurde 2022 eingeführt. Den Luxus einer Hausleerung von Glasverpackungen für die Bürgerinnen und Bürger konnten wir durch die blaue Glastonne bewahren.“

Schmitt: „Neben der öffentlichen Begleitung bei der Einführung neuer Tonnen habt ihr noch andere Aufgaben erledigt. Was ist euch besonders in Erinnerung geblieben?“

Eickhoff: „Wir betreuen seit Jahrzehnten das Abfalltelefon im Enzkreis. Da bekommt man auch kuriose Fragen gestellt.“

Klauder: „Zum Beispiel?“

Eickhoff: „Nun in einem Sommer hat ein Bürger angerufen, der seine Feuerwerkskörper entsorgen wollte. Meinen Vorschlag diese beim nächsten Silvester abzufeuern wollte er nicht hören. Da musste ich mich auch erst einmal erkundigen.“

Schmelzer (lacht): „Gelegentlich rufen auch Leute an, die ihre Abfalltonne nach der Leerung suchen. Die ist meist unbeabsichtigt im Müllauto gelandet.“

Eickhoff: „Oder sie vermissen plötzlich 4.000,- € die ausversehen im Papierabfall gelandet sind.“

Schmitt (lacht): „Da kam die Unterhaltung bei eurer Arbeit offensichtlich nicht zu kurz! Was hat sich bei der Abfallentsorgung in den letzten Jahren besonders zum Positiven verändert?“

Schmelzer: „Durch die vielen verschiedenen Mülltonnen ist die richtige Abfalltrennung komplizierter geworden. Der Enzkreis hat das früh erkannt und bringt mit einem intensiven Abfallbildungsprogramm an Schulen und Kindergärten bereits den Jüngsten die richtige Abfalltrennung bei. Es macht mir Mut zu sehen, wie schnell Kinder lernen und vor allem die Bedeutung von Recycling verstehen.“

Eickhoff: „Stimmt, das würde ich mir auch bei den Erwachsenen deutlicher wünschen. Wenn wir sortenrein Trennen, haben wir vier Wertstofftonnen und nur eine wirkliche Mülltonne.“

Schmelzer: „Mich freut es zu sehen, dass allmählich ein Umdenken stattfindet. Trotz oder gerade wegen jährlich steigender Abfallmengen werden verstärkt Abfallvermeidungsstrategien diskutiert und -projekte initiiert.“

Klauder: „Das ist schön zu hören. Habt ihr konkrete Tipps an die Leser und Leserinnen, wie sie zur Abfallverringerung beitragen können?“

Schmelzer: „Klar! Am besten macht man sich schon beim Einkauf Gedanken darüber, wie das gekaufte entsorgt werden kann.“

Eickhoff: „Und nicht nur bei verpackten Lebensmitteln, sondern grundsätzlich: welche Konsequenzen hat es, wenn man fast-fashion, einen großen Schrank von minderwertiger Qualität oder ein Haus kauft.“

Schmelzer: „Der Gedanke, dass auch die Entsorgung der Gegenstände sowohl Geld als auch Zeit kostet und teils einen großen logistischen Aufwand bedeutet, sollte man sich häufiger machen. Und nicht alles was man kaufen möchte, braucht man wirklich.“

Eickhoff: „Manche Dinge können auch ausgeliehen, repariert oder umfunktioniert werden. Da gibt es mittlerweile viele hilfreiche Ideen im Internet. Wir haben einige auf der Webseite www.abfallwirtschaft-enzkreis.de/vermeidung.html zusammengetragen.“

Schmitt: „Vielen Dank, das sind wertvolle Tipps. Ich merke, dass auch in den nächsten Jahren wichtige Arbeit im Bereich der Abfallberatung geleistet werden muss und hoffe, dass wir im neuen Team euch würdig nachfolgen. Vielen Dank für eure Zeit und das Teilen eurer Erlebnisse.“

In knapp 30 Jahren Abfallberatung sammelt sich unglaublich viel Wissen und Erfahrung an. Glücklicherweise stehen uns Reinhard Schmelzer und Dieter Eickhoff auch in nächster Zeit noch beratend zur Seite. Wir wünschen ihnen für alle neuen und alten Aufgaben viel Freude und alles Gute auf ihrem Lebensweg! Die Abfallberatung ist weiterhin auf www.abfallwirtschaft-enzkreis.de und über abfallberatung@abfallwirtschft-enzkreis.de oder unter 07231-354838 erreichbar.

Tonne nicht geleert?